150 Stunden Schrauben: Drei Teenager möbeln einen alten „Diedam“-Anhänger auf

Beitrag in der shz-Tageszeitung am 12.03.2026

Text von Helga Böwadt

Ark, Nis und Piet haben 150 Stunden geschuftet – jetzt stehen sie stolz vor einem leuchtenden „Diedam“-Anhänger auf dem Hof der „Schule zwischen den Meeren“ in Schafflund. Sie hatten sich etwas Großes vorgenommen und es dann konsequent durchgezogen. Nun steht ein Trecker samt Anhänger auf dem Schulgelände der „Schule zwischen den Meeren“ in Schafflund und zieht die Blicke auf sich. Kein Wunder, dass Nis Randers Petersen, Ark Hannes Geyer und Piet Jannes Carstensen mächtig stolz sind, ihren Anhänger der Marke „Diedam“ präsentieren zu können – leuchtend rot und grün, so wie diese Zwei-Seiten-Kipper vor Jahrzehnten mal im Original gebaut wurden. Doch wie kam es dazu?

Projektarbeit im neunten Schuljahr der Gemeinschaftsschule

Als die obligatorische Projektarbeit im neunten Schuljahr der Gemeinschaftsschule anstand, ging ihre Überlegung zuerst in eine andere Richtung. „Eigentlich wollten wir einen alten Trabant wieder auf Vordermann bringen“, erzählt Piet. „Aber das wäre zeitlich für eine Projektarbeit unmöglich geworden.“ Da kam der Anhänger aus dem Bekanntenkreis gerade recht, zumal er in seinem desolaten Zustand ebenfalls eine enorme Herausforderung bedeutete, etwas, worauf die drei Jungen so richtig Lust hatten.

 

Ark Hannes Geyer, Nis Randers Petersen und Piet Jannes Carstensen

Ark Hannes Geyer (v.li.), Nis Randers Petersen und Piet Jannes Carstensen präsentieren stolz ihr Projekt, die Restaurierung eines Zwei-Seiten-Kippers der Marke „Diedam“, das mit „Sehr gut“ benotet wurde. Foto: Helga Böwadt

So sah es am Anfang aus

So sah es am Anfang aus: Hier ist zu erkennen, vor welchen Herausforderungen die Jungen bei ihrer Projektarbeit standen. Alle Seitenteile und der Holzboden wurden abgerissen. Foto: Privat

Hydraulikschläuche selbst pressen

Und die Voraussetzungen für dieses Vorhaben konnten nicht besser sein. Einerseits bringen alle drei handwerkliches Geschick mit. Nis meint: „Ich bin ja kräftig für die anfallenden Arbeiten, repariere auch gern bei uns zu Hause auf dem Hof in Sprakebüll.“ Auch Ark (15) aus Leck scheut keine schweren Arbeiten und hat zudem Spaß an Mathematik, eine Stärke, die ihm bei den Berechnungen für das Material zugute kam. Und Piet aus Achtrup kennt sich nicht nur mit Baggern und Radladern gut aus, sondern weiß beispielsweise auch genau, wie die Hydraulik funktioniert und wie man Hydraulikschläuche selbst pressen kann.

Das hat der 15-Jährige alles im Abbruchbetrieb seines Vaters Hendrik Carstensen gelernt. Und hier kommt die zweite Seite der hervorragenden Voraussetzungen ins Spiel. „Wir hatten auf unserem Gelände eine ganze Halle für uns“, erzählt Piet. „Wir hatten jede Unterstützung, auch durch Werkzeug und Maschinen.“ Nis ergänzt: „Und wir waren immer unter Aufsicht.“

Nichtsdestotrotz haben die drei Freunde die Restaurierung des Anhängers in Eigenleistung durchgeführt. Das spürt man deutlich, als sie souverän draußen am Objekt jedes Detail zeigen und erklären können: den Aufbau der Seitenklappen, die sich auch schräg feststellen lassen, um Rundballen zu transportieren, die Funktion der Hydraulik beim seitlichen Kippen oder die Beleuchtung an der neu gebauten hinteren Stoßstange.

Piet (v.li.), Nis und Ark erklären, wie sie die Seitenwände mit den neuen Scharnieren konstruiert haben.

Piet, Nis und Ark erklären, wie sie die Seitenwände mit den neuen Scharnieren konstruiert haben. Foto: Helga Böwadt

Piet (v.li.), Nis und Ark erklären, wie sie die Seitenwände mit den neuen Scharnieren konstruiert haben.

Die Schüler mit ihren Lehrern / Mentoren Holger Nielsen und Lisa Klockenhoff. Foto: Helga Böwadt

150 Stunden gemeinsame Arbeit in Schafflund

Im Oktober begannen sie mit dem Abbau. „Alles wurde abgerissen, teilweise mussten wir Gewalt anwenden“, sagt Ark rückblickend. Was blieb, war nur noch ein Gerippe. Jeden Mittwoch und Freitag trafen sie sich, oftmals auch noch am Wochenende. Ark schätzt: „Das waren so an die 150 Stunden.“ Belohnt haben sie sich häufiger mit „Bertis Knusperhähnchen“ – am Abend nach getaner Arbeit.

Als nur noch die Metallteile des Untergestells übrig waren, ging es dem Rost an den Kragen. Bevor Nis (16) mit dem Sandstrahlen loslegen konnte, hieß es: Schutzausrüstung anlegen. „Mit Atemschutz und Overall sah er aus wie bei Star Wars“, sagt Ark und lacht. Ja, Spaß hatten die drei Freunde immer, auch wenn es mal knifflig wurde, zum Beispiel, als die neuen Bodenbretter aus Fichte nicht passten und gefräst werden mussten. Oder als in dem kalten Winter die Farbe auf Temperatur gehalten werden musste.

Piet blieb immer gelassen: „Wir hatten ein gutes Problemmanagement.“ Selbst als sich die Deichsel als zu verbogen erwies, wurde kurzerhand ein weiterer Anhänger als Teilelieferant beschafft – und die Deichsel konnte umgebaut werden. „Eigentlich hatte ich mir etwas weniger Arbeit vorgestellt“, meint Nis. „Aber wir waren immer gut davor und wurden von unseren Eltern super unterstützt.“ Dazu wurden sie von Holger Nielsen, Lehrer und Mentor der Gruppe, begleitet, der sich auch vor Ort vom stetigen Fortschritt der Arbeiten überzeugen konnte. Und Pläne für den Sommer haben die Jungs auch schon: „Vielleicht fahren wir zum Oldtimer-Treffen nach Medelby.“